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Führung durch den alten botanischen Garten Kiel

Die Landfrauen besuchen den Alten Botanischen Garten in Kiel

 

Am 7. Juli machte sich eine Gruppe Landfrauen auf, um den Alten Botanischen Garten zu besuchen. Dort erwartete uns der Naturkundler Michael Treichel, der seit fast dreißig Jahren Führungen durch den besonderen Baum- und Pflanzenbestand leitet und den Park wie seine Westentasche kennt mit allen botanischen Einzelheiten und vielen Geschichten aus der Zeit seit der Entstehung im Jahre 1878.

Ein reicher Kieler Unternehmer, A. C. Brauer, kaufte 1825 das Gelände, um zunächst einen englischen Landschaftsgarten auf der dort vorhandenen Moräne anlegen zu lassen, an den heute noch die geschwungenen Wege erinnern. Die Umgestaltung zum Botanischen Garten der Christian-Albrechts-Universität Kiel (1878 – 1884) erfolgte nach seinem Tod, als diese den Park aus Brauers Nachlass erworben hatte. Das Sommerhaus Brauers wurde zum ersten Botanischen Institut. Hier wirkten die bedeutenden Botaniker Eichler (Entwickler der berühmten Blütendiagramme, eine damals neue Systematisierung der Arten nach dem Bauplan ihrer Blüten) und Engler (mit dem Fachgebiet Gartengestaltung). Es entstand eine große Gewächshausanlage mit dem heute noch als „Topfhaus“ bekannten Gebäude, in dem exotische Pflanzen gezüchtet und „umgetopft“ wurden. Der romantische Pavillon mit seiner Kuppel und seiner schmiedeeisernen Krone steht am höchsten Punkt des Geländes und bietet einen unvergleichlichen Blick über die Kieler Förde. Der Name des Schwanenwegs erinnert an einen dort früher fließenden Bach. Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde der Garten wieder hergerichtet und weiter mit besonderen Gewächsen bestückt. Großen Anteil daran hatte der damalige Garteninspektor Hermann Jacobsen. Die Funktion als offizieller Botanischer Garten ging im Jahre 1985 verloren, als die Universität den Neuen Botanischen Garten am Unigelände in der Leibnizstraße eröffnete und viele Pflanzen dorthin umgesiedelt wurden. Durch vielfältiges Engagement und der Gründung eines Vereins zur Erhaltung und Förderung des Alten Botanischen Gartens konnte eine geplante Bebauung des Geländes durch die Uniklinik verhindert werden. Der Park wurde erhalten, die Gebäude bis auf die Gewächshäuser mit Fördermitteln und Spenden saniert, so dass er heute ein Kleinod unter den städtischen Parks bildet. Mit seinem Artenreichtum und seinem seltenen Baumbestand ist er weiterhin für Botaniker interessant und besitzt für Besucher und Spaziergänger einen ausgezeichneten Erholungswert.

Bei unserem Rundgang durch das Gelände machte uns Herr Treichel auf besondere Bäume und seltene Pflanzen aufmerksam und berichtete interessante Details dazu. Er wies z. B. auf die hocheffiziente Vermehrungsstrategie des Springkrauts hin: einerseits verteilt es seine Samen durch Aufspringen der Kapsel über einen Radius von 3 Metern nach allen Seiten, zusätzlich sorgt der Klebeeffekt der Samen dafür, dass sie leicht von Mensch und Tier weitergetragen werden. Eine seltene, hochgiftige Pflanze ist der schwarze Germer, der leicht mit Enzian verwechselt werden kann. Seine schwarzen Blüten sind Ende Juli zu bewundern. Imposant ragt der chinesische Surenbaum empor, der sogar einmal international als „Championtree of the Year“ ausgezeichnet worden ist. Ein paar Meter weiter fanden wir einen Mammutbaum, der bei einem Alter von etwa 30 Jahren eine Wuchshöhe von 20 Metern erreicht und somit seine bekannte Schnellwüchsigkeit unter Beweis gestellt hat. Es folgte eine Sumpfzypresse, ebenfalls ein sehr hoher Baum, der um sich herum eine Art Luftwurzeln gebildet hat, die wie hölzerne Hutzelmännchen aussehen. Wir hörten noch viele weitere interessante Details über all die Wunder der Natur, die hier im Park versammelt sind. 

Für Interessierte verweise ich auf die sehr schöne ausführliche Website des Vereins zur Erhaltung und Förderung des Alten Botanischen Gartens e. V.: www.alter-botanischer-garten-kiel.de. Führungen finden ganzjährig bei freiem Eintritt jeden 2. Sonntag im Monat um 10.30 Uhr statt. Das Topfhaus kann für private Feiern gemietet werden.

 

Bericht: Uschi Hübner

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2026-07_bot._Garten (DI, 07. Juli 2026)

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Veröffentlichung

Di, 07. Juli 2026

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