Bildervortrag: Der Mann, der seinen Kopf verlor - über den Arzt, Aufklärer und Reformer Dr. Johann Friedrich Struensee (1737-1772)
Dr. Johann Friedrich Struensee (1737 – 1772) – Arzt, Aufklärer und Reformer in Altona und Kopenhagen
Ein Vortrag von Reinhard Laszig
Herr Laszig erzählte über das bemerkenswerte Leben und Wirken eines Multitalents, das seiner Zeit in vielfacher Hinsicht weit voraus war – sowohl in Hinblick auf die medizinischen Erkenntnisse als auch auf politischer Ebene.
Struensee wurde als Sohn eines pietistischen Predigers in Halle geboren und begann bereits mit 14 Jahren das Medizinstudium. Danach wurde er Armenarzt in Altona, wo er viele Erfahrungen machte und von namhaften fortschrittlichen Ärzten sowie u. a. dem Apotheker Hoffmann (Hoffmann Tropfen) lernte.
Herausragend waren die Vielfalt und Bandbreite der medizinischen Fachgebiete, in denen er neue Erkenntnisse gewann. Er trug wesentlich zur Behandlung von ansteckenden Krankheiten bei, indem er die Bedeutung der Hygiene erkannte und die Wirksamkeit von Impfungen. Insbesondere bei den Pockenepedemien war der Erfolg sehr deutlich. Eine weitere damals häufige Erkrankung, die Syphilis, die von Seeleuten aus der Neuen Welt mitgebracht wurde, behandelte er nach Methoden der amerikanischen Eingeborenen. Da er den Zusammenhang zwischen Armut, Unterernährung und Krankheiten erkannte, versuchte er die Lebensumstände der Armen zu verbessern. Er setzte sich für den Schutz unehelicher Kinder und deren Mütter ein, die bislang quasi als „Freiwild“ unter unmenschlicher Behandlung leiden mussten, und förderte das Hebammenwesen und richtete Babyklappen ein. Auch um die Ernährung kümmerte er sich, z. B. waren damals Bandwürmer sehr verbreitet, ebenso litten viele Menschen unter Verstopfung, welche durch die einseitige Ernährung verursacht war. Als Tierarzt beschäftigte er sich mit der Maul- und Klauenseuche und wandte auch hier erfolgreich die Impfung an. Leider war die damalige Gesellschaft noch so im Aberglauben verhaftet und der Aufklärung nicht zugewandt, dass seine „modernen“ Erkenntnisse ihm nicht nur Zustimmung, sondern auch Ablehnung und Anfeindungen einbrachten.
Der dänische König wurde auf ihn aufmerksam, weil er dessen Sohn durch Impfung vor der Pockeninfektion bewahrt hatte. Dieser nachweislich schwachsinnige Regent holte Struensee an seinen Hof und beschäftigte ihn zunächst als Leibarzt auf seinen Reisen und erteilte ihm später eine Unterschriftsbefugnis, so dass er letztendlich 1600 Dekrete erließ und so die dänische Politik entscheidend beeinflussen konnte. Beispielsweise versuchte er, die Leibeigenschaft abzuschaffen, Schmiergelder und Pressezensur zu verbieten, die königlichen Parkanlagen wurden für die Öffentlichkeit freigegeben, er rief Religionsfreiheit aus, richtete staatliche Kornspeicher für Notzeiten ein, schaffte die Leibgarde ab, verordnete eine geschäftliche Trennung von Apotheken und Ärzten, leerstehende Kirchen sollten als Krankenhäuser genutzt werden usw.
All diese Maßnahmen stießen vor allem bei den Adligen auf großen Widerstand und erzeugten feindselige Stimmung gegen ihn. Als dann noch das Gerücht einer Liaison mit der dänischen Königin bekannt wurde, aus der sogar ein gemeinsames Kind hervorgegangen sein sollte, verurteilte man ihn zum Tode und er wurde geköpft.
Der Vortrag wurde ergänzt durch zahlreiche eindrückliche Bilder – vermutlich Holz- oder Kupferstiche, die deutliches Zeugnis von den damaligen Behandlungsmethoden ablegten. Herr Laszig erzählte humorvoll wie immer und ein unterhaltsamer Nachmittag gab uns interessante Einblicke in die Zeit des 18. Jahrhunderts.
Bericht: Uschi Hübner
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