Besichtigung der Löwe-Werke

Die Landfrauen bei den LÖWE-Werken in Flintbek

Viele kennen die Firma für Gartenscheren, aber manche hatten noch nie von dem seit über 100 Jahren in Familienbesitz befindlichen Betrieb gehört. Ausgerechnet in unserer Nachbarschaft wurde 1923 von Firmengründer Walther Schröder eine damals als Weltneuheit patentierte Gartenschere, die Amboss-Schere, entwickelt, die eine Alternative zu den herkömmlichen Bypass-Scheren darstellte. Von 1923 an behielten die LÖWE-Werke für zwanzig Jahre das alleinige Herstellungsmonopol, wobei Italien aufgrund des dortigen Wein- und Obstanbaus eine bedeutende Rolle als Handelspartner spielte, aber auch schon die USA und Großbritannien. Heute noch werden hundert Länder in aller Welt mit den hochprofessionellen Scheren beliefert, neben ganz Europa auch Australien, Neuseeland, Japan, China und Indien. Die Firma wirbt mit den Merkmalen Qualität, Präzision und Langlebigkeit.

Dieses erfuhr unsere Gruppe von einem sehr netten und kompetenten Mitarbeiter, Herrn Hahn, der uns in eineinhalb Stunden detailliert in die Welt der Gartenscheren einführte. Die Wirkungsweise der Amboss-Schere besteht darin, dass die Klinge als Gegenpart eine feste Unterlage hat, während bei der Bypass-Schere beide Klingen aneinander vorbei schneiden. Je nach Einsatzbereich kann die eine oder andere Schneidweise günstiger sein. Die Amboss-Schere zeichnet sich durch eine besondere Handfreundlichkeit aus. Das Grundmodell der LÖWE-Schere hat sich seit den Anfängen kaum verändert und es sind noch Ersatzteile aller Modelle der letzten hundert Jahre erhältlich. Für den professionellen Bereich, z. B. im Weinbau, ist eine Schere so konzipiert, dass die Klinge bei Bedarf in wenigen Sekunden gewechselt werden kann. Wenn man bedenkt, dass es Anwendungen gibt, bei denen 10 000 Schnitte und mehr an einem Tag durchgeführt werden, kann das schon von einiger Bedeutung sein. Das zweite Produkt der Firma sind die Astscheren. Herr Hahn führte uns anschaulich vor, warum eine solche nicht zu lang sein darf und wie sich der Öffnungswinkel auf den Kraftaufwand auswirkt. Ein drittes Sortiment enthält Jagdscheren, die sich zum fachgerechten Zerlegen des Wilds eignen.

Im Laufe des Jahrhunderts hat sich das Angebot natürlich stetig weiterentwickelt, wobei das Grundmaterial und die präzise Herstellung jeweils unverändert blieben. Die Griffe wurden mit einem handfreundlichen Kunststoff überzogen, es wurden drei Größen – angepasst an die Handlänge – hergestellt. Eine weitere in den fünfziger Jahren eingeführte Neuheit sind Industriescheren, die z. B. Leisten, Schläuche, Kabel u. a. im Handwerksbereich schneiden. Der Vorteil gegenüber dem Sägen ist z. B. Präzision und Sauberkeit, da beim Schneiden keine Späne oder Abrieb entstehen. Seit einiger Zeit gibt es Scheren mit edel aussehenden massiven Holzgriffen, die das vierte Sortiment bilden.

Nach diesem Vortrag rund um den Betrieb und das Sortiment, der unsere Gruppe außerordentlich begeisterte und viele Nachfragen und Gespräche erzeugte, durften wir in die riesigen Produktionshallen gehen. Die Herstellung beginnt damit, dass aus hochwertigen Stahlplatten die Grundformen ausgestanzt werden. Es folgen mehrere Arbeitsschritte, die teils maschinell, teils manuell oder auch in Kombination durchgeführt werden. Besondere Sorgfalt wird beim Härten und Schärfen der Klingen, die das Herzstück der Scheren sind, angewandt. Bei der Endkontrolle nimmt ein Mitarbeiter jede Klinge einzeln in die Hand. Die Klingen sind garantiert bruchsicher. Bei der Endmontage werden alle Teile zusammengesetzt, daran ist auch eine Gruppe von Mitarbeitern der Werkstatt Drachensee beteiligt. Eine manuelle Endkontrolle jeder Schere bildet das Finale des Produktionsvorgangs. Danach ist die Abteilung Vertrieb an der Reihe.

Am Ende zeigte uns Herr Hahn den Aufenthaltsraum der Mitarbeiter mit Terrasse und Ausblick auf Wiese und Obstgarten. Diese großzügige Gestaltung war möglich, weil der Betrieb sich im Jahre 2019 in einem neuen Areal im Konrad-Zuse-Ring angesiedelt hat.

Unsere Gruppe war total beeindruckt und begeistert von der kompletten Führung. So ein Blick über den „Tellerrand“ der eigenen Lebenswelt ist immer ein Gewinn! 

 

Bericht: Uschi Hübner

 

 

 

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2025-11-25_Besichtigung_Löwe-Werke (DI, 25. November 2025)

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Veröffentlichung

Di, 25. November 2025

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